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Lernend gamen, gamend lernen
Mein erster Kontakt mit Videospielen
In meiner Kindheit faszinierten mich Videospiele, damals hatte ich noch keinen eigenen Computer, aber eine Familie im Quartier hatte einen im Keller stehen. Dort verbrachten wir ganze verregnete Nachmittage und knobelten an Spielen wie Indiana Jones, Monkey Island und Prince of Persia.
Games heute und wie man sie fürs Lernen nutzen kann
Jetzt, fast 40 Jahre später sind Videospiele für alle selbstverständlich geworden. Viele Kinder und Jugendliche bei uns im Dennigkofen, lieben ihre Videospiele, diese sind inzwischen viel zugänglicher und weil die meisten ein Handy haben, ist die Spielkonsole sozusagen immer in der Hosentasche. Wir Lehrpersonen sehen, das natürlich nicht so gerne, aber ich verstehe die Faszination dafür.
Videospiele selber machen stellte ich mir immer sehr kompliziert und aufwändig vor. Den Ausschlag, es dennoch zu lernen, gaben mir zwei Schüler und eine Schülerin. Sie wollten im Rahmen ihrer selbständigen Projektarbeit (SPA) ein Videospiel programmieren. Als Verantwortlicher der Schulinformatik kamen diese drei Lernenden auf mich zu, also musste ich eine Lösung finden, dies rasch zu erlernen. Videospiele erstellt man mit sogenannten Game-Engines. Eine einfache kennen wahrscheinlich alle, nämlich Scratch, diese Programmierumgebung für Kinder erlaubt zwar auch ziemlich komplizierte Projekte, doch die eingeschränkte Bildgrösse und die komplizierte Umsetzung auf Touchbildschirmen fand ich ungeeignet. Nach einigem Suchen und Ausprobieren stiess ich auf GDevelop. Damit liessen sich recht einfach 2D-Spiele in beliebiger Bildschirmauflösung umsetzen. Ich arbeitete einige Tutorials durch, damit ich die SPA-Jugendlichen einigermassen begleiten konnte. Mit der Zeit begann ich eigene Spielideen umzusetzen. Ich konzentrierte mich auf besonders langweilige Lerninhalte wie Verben konjugieren, Wortarten bestimmen und Artikel lernen. Bei den Verben beschränkte ich mich auf zwei Spielmodi: Erkennen und Schreiben. Beim Erkennen muss aus verschiedenen Varianten die richtige Form erkannt werden. Beim Schreiben muss man eine Konjugationsform selbst eintippen.
Entstandene Games
Wie reagierten die Kinder darauf?
Die Kinder waren von Anfang an begeistert, Verben mit Games zu üben. Mit dem Zuschalten von regelmässigen und unregelmässigen Verben, sowie den verschiedenen Zeiten können sie sich in dem Schwierigkeitsgrad bewegen, der sie herausfordert, aber nicht frustriert. In den Texten, welche die Kinder von Hand schreiben, stelle ich fest, dass sich Konjugationsfehler sehr stark reduzierten und die Zeitformen gezielt eingesetzt werden. Auch das Wissen über die grammatischen Begriffe ist präsenter: Wenn ich nach dem Präteritum frage, wissen die meisten, was gemeint ist. Auch in dieser Umfrage äussern sich alle positiv über das Üben mit den Games und viele erwähnen, dass sie damit gerne lernen.
Mein Fazit
Die Spiele zu erstellen war aufwändig, vor allem das Eingeben der Verbformen. Mit der deutschen und französischen Version zusammen musste ich rund 1000 Konjugationen erfassen. Das Programmieren hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, nun gibt mir das Üben mit Verben aber keine Arbeit mehr. Ich kann mich während den Übungsphasen neben schwächere Lernende setzen und sie unterstützen, ich muss auch keine Blätter mehr kopieren oder Übungen korrigieren. Stärkere Schüler können sich vermehrt um das kreative Schreiben kümmern.